Ornithophobia

Evil Emu Eye

Sie haben es auf uns abgesehen…
Foto: Mark Dumont (Evil Emu Eye)
CC-BY 2.0

Meine Freundin hat ’nen Vogel. Sogar mehrere. Ich hasse sie. Die Vögel, nicht die Freundin. Die Freundin hab ich lieb, das ist ja das Dilemma.
Also arrangiere ich mich mit den Viechern, nutze aber so ziemlich jede Gelegenheit, mich über all die Unannehmlichkeiten, die sie mit sich bringen (Lärm, Dreck, Einschränkungen bei der Planung von Wochenendtrips oder auch nur dem Öffnen der Balkontür, und so weiter und so fort) zu echauffieren. Dabei vergesse aber selbst ich manchmal, dass die Vögel meiner Freundin im Speziellen gar nicht so besonders sind – Vögel im Allgemeinen sind, nun ja, richtig üble Vögel.

Viele andere Tiere haben ein mieses Image. Alle Welt verabscheut Ratten, Wölfe, Kakerlaken, Haie, Zecken, Kraken, Spinnen, Schlangen, Bandwürmer, Piranhas oder Wespen. Aber kein Mensch hat was gegen Vögel. Stattdessen werden sie als süße Sänger, als majestätische Herren der Lüfte, als Symbole der Freiheit, ja als Friedensbotschafter verklärt. Ein Fehler. Schließlich legen Vögel sich auf allen möglichen Ebenen mit der menschlichen Spezies an. Ein Kampf, den wir sie nicht gewinnen lassen sollten.

Sie gegen uns

Offensichtlich wäre da zunächst einmal die Vogelgrippe. Eine von Vögeln auf Menschen übertragbare Seuche, die durchaus das Potential haben könnte, die Menschheit zu vernichten. Und dass solche Killerviren uns tatsächlich eines Tages auslöschen werden, das schätzt etwa der durchaus seriöse Weltuntergangsexperte Martin Rees mit 10 % Wahrscheinlichkeit als vergleichsweise plausibles Schicksal ein. Aber neben der Vogelgrippe (bzw. deren verschiedenen Ausprägungen) können Vögel oder deren Parasiten auch etwa Toxoplasmose oder Salmonellen über Kontinente hinweg verbreiten, von Allergien gegen Kot und Federn ganz abgesehen.

Wenn sie uns nicht krank machen, können sie uns immer noch verhungern lassen. Ganze Ernten können durch Rabenvögel und andere vernichtet werden. Und wenn ihnen das nicht reicht, greifen sie auch unsere Besitztümer an. Vogelkot verätzt Parkbänke und Autos, Spechte demolieren Gebäudefassaden, und als Selbstmordattentäter gefährden Vögel Fensterscheiben und den Flugverkehr, wo jedes Jahr etliche schlimme Unfälle auf das Konto von Birdstrikes gehen. Elstern gehen weniger subtil vor und bestehlen uns einfach direkt. Andere, keineswegs nur Greifvögel, sondern auch wieder diese verdammten Rabenvögel, Schwäne, Gänse, Möwen, Straußen, Kasuaren, usw. – greifen uns einfach direkt an.* Wenig verwunderlich, sind Vögel doch die Nachkommen der Dinosaurier, die sich schon auf dieser Jurassic-Park-Insel nicht zu benehmen wussten.

Freunde der Vögel

Berlin, Reichstagssitzung, Rede Adolf Hitler (Reichsadler im Hintergrund)

Eine Gruppe von Verbrechern huldigt einem großen Vogel
Foto: Heinrich Hoffmann
Scan: Bundesarchiv (Bild 183-B06275)
Bearbeitung: Yannick M. Schmitt (deswastiziert)
CC-BY-SA 3.0

Logos: NSA, UÇK, Anaheim Ducks, Sturm, Ruger & Co.

Verräterisch, dass auch andere Organisationen, die sich mit Vögeln schmücken, nicht gerade die größten Anhänger des zivilisierten Miteinanders sind…
Logos: NSA, UÇK, Anaheim Ducks, Sturm, Ruger & Co.

Gegner der Vögel

Basilisk

Der Basilisk gilt in der ganzen Welt als Symbol des Todes
und Verkörperlichung des Antichristen

Bild: Wenzel Hollar
Scan: University of Toronto (Plate P427)
Bearbeitung: Yannick M. Schmitt (Ausschnitt, Retusche)

All diesen unumstößlichen Fakten zum Trotz sind Vögel als Angstobjekt offenbar out. Seit Hitchcocks Die Vögel vor 50 Jahren stellte wohl bis zu diesem Blogpost kein bedeutendes kulturelles Werk mehr den Schrecken der Vögel in angemessener Weise dar. Das war mal anders. In den Mythologien praktisch aller Kulturen, die was auf sich halten bzw. hielten, gab es Vogelwesen, denen man nicht in einer dunklen Gasse begegnen möchte.
Die Juden kennen Ziz, bezeichnenderweise der Schutzherr aller Vögel, dessen aufplatzende Eier schonmal Erdbeben auslösen und ganze Städte überschwemmen, der aber eines Tages von Gott höchtspersönlich getötet werden wird, worauf ich mich schon deshalb sehr freue, weil es dann Chickenwings für alle Rechtschaffenden gibt (yes, it’s in the book!). Die Griechen hatten ihre liebe Not mit den stymphalischen Vögeln, die ihre Federn als Pfeile verschießen konnten und gegen deren Schnäbel Rüstungen wirkungslos waren. Und den blinden König Phineus folterten die Harpyien, indem sie ihm sein Essen stahlen und mit Kot beschmutzten, um es ungenießbar zu machen. Bei den Sumerern galt der Löwenadler als das gefährlichste Raubtier, vor dem sich Menschen wie Viehherden verstecken mussten. In der nordischen Mythologie erkannte man die Ursache von Stürmen in dem Riesenvogel mit dem sympathischen Namen Hræsvelgr, Leichenfresser. In Chile lockt Allicanto nichtsahnende Menschen in die Berge, um sie dort in die Schluchten zu stürzen. Und hierzulande holt der Nachtkrabb sich die Kinder, die sich des nachts im Freien aufhalten. Was er dann mit ihnen macht, wurde mir verschwiegen. Aus einem Grund, wie ich annehme.

Lektüre

Angesichts von über 10.000 derzeit bekannten Vogelarten können meine Ausführungen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der verdorbenen Psyche dieser Tiere abdecken. Monte Richard von Cracked hat in The 6 Most Disturbingly Evil Birds zusammengestellt, wo Vögel sich innerhalb der Tierwelt so richtig danebenbenehmen. Das GurlNxtDoor beschreibt in Graham Chapman Keeps The Birds Away nicht nur, wie nervig Spatzen sind, sondern auch, wie man sie effektiv aus dem eigenen Hof fernhält (Spoiler: Es hat was mit Graham Chapman von Monty Python zu tun). Wie Flappy Bird (oder wahlweise auch Angry Birds) durch massive Zeitverschwendung die Leben unzähliger aufstrebender junger Menschen ruiniert hat (und ich meine nicht das des Programmierers, der dadurch immerhin auch reich und berühmt wurde), wurde dutzendfach aufgeschrieben, davon wohl tatsächlich am Schönsten auf BuzzFeed.

Schlusswort

Ich denke, mit meinen Ausführungen sollte nun zweifelsfrei geklärt sein, dass Vögel keineswegs so nett sind wie sie immer tun. Gehet hin und verbreitet die Kunde, dass diese Tiere sich gesellschaftliche Ächtung statt Achtung verdient haben.

Notiz an mich selbst: Unbedingt mal ’ne schlagkräftige Antwort auf die immer wiederkehrende Frage „Deine Freundin ist also gut zu Vögeln?“ überlegen.


  1. * An dieser Stelle hätte jetzt gerne ein Video als Beleg für die Brutalität gestanden. Aber während es auf YouTube freilich von Videos nur so wimmelt, in denen ein Schwan Spaziergänger anstupst oder ein Stärling kurz die Köpfe von Joggern anpickt, bin ich in meiner Suche nach einem richtig erschreckenden Film gescheitert. Was im Umkehrschluss eigentlich nur heißen kann, dass wenn ein Aggro-Vogel mal so richtig loslegt, keiner mehr ein Video davon machen kann oder das Ergebnis zumindest nicht mehr YouTube-kompatibel ist. Presseartikel zum Thema zu suchen (a la Illinois Man Killed By Swans), erscheint mir nicht bildlich genug, um die unglaubliche Brutalität darzustellen, die von Vögeln ausgeht. ‚Ne Galerie mit lustigen GIFs habe ich dann aber noch gefunden, um zumindest irgendwas liefern zu können.

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