Ich glaub, es bloggt!

Als eher schweigsamer Zeitgenosse verspüre ich eigentlich nur selten den Drang dazu, meinem Umfeld (womit ich all diejenigen meine, die sich zu einem beliebigen Zeitpunkt gerade in Gesprächsreichweite zu mir oder auch einem tatsächlichen Gespräch mit mir befinden) oder gar der Welt mitzuteilen, was ich gerade zu diesem oder jenem Thema denke. So ich denn überhaupt irgendetwas dazu denke, denn wenngleich ich prinzipiell das Denken für eine geniale Idee halte, und es selbst bisweilen mit Freude tatsächlich praktiziere, leiste ich mir den Luxus, nicht zu jedem Furz wertvolle Gedanken zu verschwenden und meinen Kopf nicht jederzeit mit solchen zu belasten.

Eine Zeit lang habe ich einige meiner Gedanken in Tagebüchern notiert, ganz einfach, um sie selbst nicht zu vergessen (oder, um ganz genau zu sein, hauptsächlich, damit ich trotz meines miesen Gedächtnisses zumindest die Chance hatte, zu wissen, was ich gestern gemacht und was ich im letzten Urlaub erlebt habe). Das habe ich aus organisatorischen Gründen aufgegeben, und in den letzten Jahren im Austausch dafür vor allem dann meine imaginäre Schreibmaschine rausgeholt, um mir den Frust von der Seele zu bloggen, wenn ich in einer guten Sache großes Usability-Potential verschwendet sah. Etwa als ich die – aus Bequemlichkeitsgründen – für meine BahnCard für sowohl den Online-Service der Bahn als auch deren Ticketautomaten hinterlegte Kontoverbindung ändern wollte, und dafür vier (oder wenn mein Erinnerungsgefühl mich nicht täuscht: 92) verschiedene Stellen anlaufen durfte. Oder zu all den Kleinigkeiten, die einen stören, nachdem man ein neues Auto einige Zeit im täglichen Betrieb erlebt hat, wo in meinem Fall unstrittig die Tankanzeige ganz oben auf der Liste steht, die ihrerseits nämlich bereits dann auf Anschlag „R“ und Restreichweite „0 km“ steht, wenn ich nach Hersteller-Verbrauchsangabe noch über 300 Kilometer weit komme, was letztlich dazu führt, dass ich in dem Bestreben, unnötig häufige Tankstopps zu vermeiden, quasi permanent in der Angst lebe, mir doch den Kilometerstand bei Aufleuchten des Tanksymbols falsch gemerkt zu haben und damit am Ende trotz der kombinierten Kraft von Elektro- und Verbrennungsmotor ganz ordinär wegen leerem Tank stehenzubleiben. Wenn die Größe des Tanks im Handbuch exakt angegeben ist und die sicherlich über alle Zweifel erhabene Firma Shell an ihre Zapfsäulen stets korrekt misst, dann war ich (unter Ignorieren von evt. in diversen Leitungen und dergleichem steckenden Benzinresten) kürzlich nur 90 Milliliter von diesem Schicksal entfernt.
Hin und wieder schaffe ich es aber tatsächlich auch aus eigenem Antrieb, also ohne etwa von der Bahn oder der Automobilindustrie dazu förmlich gezwungen zu werden, mir Gedanken zu einem Thema zu machen. Die meisten davon vergesse ich unmittelbar wieder, wenn ich die Spur eines Nebengedankens aufnehme und diese dann so lange verfolge, bis ich nicht mehr zum ursprünglichen zurückfinde. Dasselbe Schicksal fällt auch vielen meiner Gedanken zu, die von äußeren Einflüssen verdrängt werden. Und der überlebende Rest meiner Gedanken vereinsamt dann gerne in meinem Kopf, weil ich es ja nicht für nötig halte, ihn der Welt mitzuteilen. Das soll sich nun also zu einem gewissen Grad ändern.

Dieses Blog soll also als Publikationsplattform für all das dienen, was sich in meinem Kopf ansammelt, und von dem ich denke, dass die Welt davon auch zumindest ein ganz kleines bisschen profitieren kann, es mitgeteilt zu bekommen. Im Bestreben, letzteres umzusetzen, werde ich versuchen, nur möglichst wertvolle Erfahrungen zu veröffentlichen und mit gesammeltem Hintergrundwissen in möglichst schön geschliffenen Worten zusammenzufassen. Ohne den Anspruch, dass mein Geschreibsel eigentlich in der SZ, der Zeit oder der Titanic erscheinen sollte, aber schon mit dem Anspruch, dass jeder einzelne Post für den einen oder anderen interessant, erhellend oder erheiternd sein möge. – Gleich mit dem nächsten Beitrag werde ich damit anfangen.

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